| Sweat Off - wenn Schwitzen zur Belastung wird |
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Schwitzen ist normal - wenn man sich körperlich anstrengt, extrem aufgeregt ist oder die Temperaturen steigen. Sind die Schweißdrüsen allerdings auch ohne ersichtlichen Grund aktiv, wird aus einer normalen, lebenswichtigen Funktion eine Krankheit: Hyperhidrose.
Gerade bei den ersehnten sommerlichen Temperaturen läuft die körpereigene Klimaanlage auf Hochtouren. Zwei bis drei Millionen Schweißdrüsen - die meisten sitzen an Handflächen, Fußsohlen und unter den Achseln - sorgen dafür, dass der Organismus nicht überhitzt: Sie produzieren Schweiß, der auf der Hautoberfläche verdunstet und den Körper kühlt. Ein lebenswichtiger Schutzmechanismus. Dennoch: Bereits einzelne schweißtreibende Momente werden von vielen Menschen als unangenehm empfunden. Wirklich leiden allerdings müssen diejenigen, deren Schweißbildung weit über das normale Maß der zur Regulation der Körpertemperatur benötigten Menge hinausgeht, sodass das Wasser unabhängig von der Situation oder Jahreszeit aus den Poren rinnt. Die Folge: permanent feuchte Hände, eine nasse Stirn und unschöne Schweißränder auf der Kleidung. Kein kosmetisches Problem oder ein Zeichen mangelnder Hygiene, sondern eine diagnostizierbare Erkrankung - im Fachjargon als Hyperhidrose bezeichnet -, die sich dank spezieller Therapien jedoch gut behandeln lässt. Dr. Wolfgang Niederdorfer, Münchner Dermatologe im Haut- und Laserzentrum an der Oper, beantwortet die wichtigsten Fragen: 1. Warum produziert der Körper überhaupt Schweiß? Schwitzen ist ein lebensnotwendiger, natürlicher Vorgang, um die normale Körpertemperatur aufrechtzuerhalten. Ist es besonders heiß oder erzeugen die Muskeln durch Aktivität Wärme, nehmen die Schweißdrüsen in der Haut ihren Dienst auf, um eine Überhitzung des Körperkerns zu verhindern. An den Schweißdrüsen sitzen Nervenenden des unwillkürlichen Nervensystems. Dies steuert automatisch zahlreiche Funktionen unseres Körpers, wie Blutdruck, Verdauung, Herzrhythmus und die Körpertemperatur. Beim Schwitzen senden die Nervenenden elektrische Impulse an die Schweißdrüsen, damit diese Schweiß bilden und ihn über feine Kanäle an die Hautoberfläche abgeben. Mit dem Schweiß gelangt die überschüssige Wärme nach außen und die verdunstende Flüssigkeit kühlt die Haut. 2. Und wieso riecht Schweiß so unangenehm? Schweiß an sich ist geruchlos! Erst durch bakterielle Besiedlung und die Zersetzung des Schweißes entsteht der typische unangenehme, penetrante Geruch. An Stellen, wo der Schweiß schlecht verdunsten oder nicht aufgesaugt werden kann, vermehren sich Bakterien besonders schnell. 3. Was genau versteht man unter „Hyperhidrose"? Hyperhidrose (griechisch hyper = zu viel, hidros = Wasser) nennt der Mediziner krankhaftes, übermäßig starkes Schwitzen, welches entweder nur an einer Stelle des Körpers auftritt (lokale Hyperhidrose) oder den ganzen Körper betrifft (generalisierte Hyperhidrose). In der Regel sind die Füße, die Hände, der Rumpf sowie die Achseln am stärksten betroffen, da die Konzentration der Schweißdrüsen dort am höchsten ist. Häufig leiden Patienten jedoch unter einer Kombination mehrerer dieser Hyperhidrose-Arten, wie z. B. Achseln-Hände, Hände-Füße oder Achseln-Hände-Füße. 4. Gibt es bestimmte Ursachen für die übermäßige Schweißproduktion? Neben Sport, Hitze und Stress kann starkes Schwitzen auch die Folge einer bestimmten Krankheit - z. B. Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion oder Allergie - sein. In diesen Fällen spricht man von der sekundären Hyperhidrose. Bei Menschen, die unter einer primären Hyperhidrose leiden, rinnt der Schweiß hingegen ständig und ohne erkennbaren Grund aus dem Körper. Nicht eine höhere Anzahl an Schweißdrüsen, sondern vielmehr eine chronische Überstimulation der Nerven, welche den Schweißdrüsen den Befehl „Schwitzen" erteilen, ist hier das Problem. 5. Wie lässt sich eine Hyperhidrose diagnostizieren? Wie viel Schweiß man als normal oder krankhaft empfindet, ist sehr individuell. Der Experte aber kann anhand verschiedener, objektiver Messverfahren feststellen, ob tatsächlich eine Hyperhidrose vorliegt. Standard ist die sogenannte Gravimetrie. Hier wird die behandelte Hautfläche zunächst getrocknet und dann eine Minute lang mit einem dünnen, saugfähigen Papier in Kontakt gebracht. Die absorbierte Schweißmenge wird durch Abwiegen vor und nach Schweißabsorption bestimmt. Mit solchen Messungen kann der Arzt zudem überprüfen, ob die gewählte Therapie erfolgreich ist und sich die Schweißmenge verringert hat. 6. Können Sie etwas zum Leidensdruck der Betroffenen sagen? Die Betroffenen leiden sehr unter dem Dauerschwitzen. Häufig fühlen sie sich in ihrem sozialen und beruflichen Leben stark eingeschränkt. Kein Wunder, denn wer ständig schweißgebadet ist, meidet schon aus Scham einen engen Kontakt zu anderen Menschen. Und weil die Angst vor einem Schweißausbruch diesen sogar noch verstärkt, geraten viele Hyperhidrose-Patienten in einen regelrechten Teufelskreis. Seinem Gegenüber die Hand zu reichen, es zu begrüßen oder gar zu umarmen, wird zu einer regelrechten Hürde. 7. Welche therapeutischen Maßnahmen gibt es, um das krankhafte Schwitzen in den Griff zu bekommen? Zunächst sollte abgeklärt werden, ob das übermäßige Schwitzen als Begleiterscheinung einer Erkrankung auftritt (sekundäre Hyperhidrose). Kann dies ausgeschlossen werden, steht dem Arzt und Patienten inzwischen eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, um die „grundlosen" permanenten Schweißausbrüche zu stoppen. Die Therapie erfolgt je nach Lokalisation und Ausmaß ganz individuell. Als Erstbehandlung empfiehlt sich in der Regel der lokale Einsatz von medizinischen Antitranspiranten, die - verglichen mit handelsüblichen Deos - eine besonders hohe Konzentration an Aluminiumhydroxid enthalten. Sie dringen in die Poren ein, verbinden sich mit dem Keratin und verschließen oder verengen so die Schweißdrüsen. Je höher die Aluminiumsalzkonzentration ist, desto tiefer dringt sie in die Haut. Die Lösung kann sowohl im Achselbereich als auch auf den Hand- und Fußflächen angewendet werden. Bei starkem Hand- oder Fußschweiß hat sich die lontophorese bewährt. Hier werden die Handinnenflächen oder Fußsohlen in Wasser gehalten, durch das dann ein schwacher elektrischer Strom geleitet wird. Die elektrische Stimulation bewirkt eine Hemmung der Schweißdrüsen. Am Anfang sollten die Patienten mindestens dreimal wöchentlich zur lontophorese gehen. Danach genügen ein- bis zweimal pro Woche. Die Patienten können sich dann ein Heimgerät verschreiben lassen und die Anwendungen auch zu Hause durchführen. Nach wenigen Behandlungen merkt der Patient bereits, ob sich das Schwitzen reduziert hat. Alternativ lassen sich die hyperaktiven Drüsen auch mit Botox deaktivieren. Das Nervengift blockiert die Nervenimpulse, die in einem bestimmten Körperareal die Schweißdrüsen stimulieren. Nach im Schnitt drei bis sieben Tagen tritt eine deutliche Besserung ein. Bei manchen Patienten hört das Schwitzen bereits nach einigen Stunden schlagartig auf. Nachteil: Die Wirkung hält nach den bisherigen Erfahrungen nur vier bis zwölf Monate an, danach müssen sich die Patienten erneut behandeln lassen. Je nach Areal kostet die Botox-Behandlung zwischen 500 und 1.000 Euro. Lediglich in wenigen Einzelfällen beteiligen sich die Krankenkassen an den Kosten. Wenn die genannten Behandlungen keinen Erfolg zeigen, könnte das Absaugen der Schweißdrüsen helfen. Der operative Eingriff ist jedoch lediglich unter den Achseln möglich und somit nur für Menschen geeignet, die hier besonders stark schwitzen. Betäubt wird nur lokal. Zunächst wird Flüssigkeit in den betroffenen Bereich gepumpt. Mit einem Metallstab lockert der Arzt das Gewebe. Dann wird das entsprechende Gewebe abgesaugt, die Schweißdrüsen inklusive. Etwa 80 Prozent der Drüsen werden hierbei entfernt. Ein leichtes Schwitzen ist also auch nach der operativen Entfernung noch möglich, lässt sich aber in der Regel gut mit einem handelsüblichen Deodorant behandeln. Die ambulante Operation dauert etwa eine Stunde und kostet zwischen 1.000 und 1.500 Euro. Die Krankenkasse bezahlt den Eingriff in der Regel nicht. 8. Wie häufig wird eine Behandlung mit Botox aktiv von Patienten angefragt? Die Behandlung mit Botulinumtoxin ist heute sicherlich eine der sichersten und zuverlässigsten Therapien bei Hyperhidrose und wird dementsprechend häufig auch von Betroffenen gezielt angefragt. Nebenwirkungen gibt es bei korrekter Anwendung fast keine und im Gegensatz zur operativen Entfernung der Schweißdrüsen ist die Behandlung auch für die Handinnenflächen und Fußsohlen geeignet. Wir bedanken uns für diese ausführlichen Informationen Weitere Informationen erhalten Sie auch direkt auf der Homepage des Haut- und Laserzentrums an der Oper - folgen Sie dazu bitte dem weiterführenden Link - www.haut-und-laser-zentrum.de
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